PA62 Webseite

5 Vorschläge für eine gute und verlässliche Pflege

Meine spontanen Gedanken und Fragen zum Positionspapier (05.06.2018) von Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung. Im zweiten Teil dieser Episode nehme ich Dich mit hinter meine Kulissen und erzähle, warum ich mich in den letzten Wochen so rar gemacht habe.

Mehr PflegeKRAFT

Abonniere den Podcast bei iTunes oder such Dir hier eine Podcast-App für Dein Android oder Nokia Smartphone aus. Für Spotify und YouTube einfach auf die Links klicken.

Bonus-Infos zu dieser Episode:

Das Positionspapier von Andreas Westerfellhaus 

Meine Gedanken und Fragen zu jedem einzelnen Punkt

Die 5 Punkte im Überblick

 

Punkt 1: Prämie für Rückkehrer und Aufstocker

  1. 5.000,- Euro steuerfrei, für alle, die wieder in der Pflegeberuf zurückkehren.
    • Einmalig 5.000 Euro kann ein Anreiz sein. Ich glaube nicht, dass Viele das in Anspruch nehmen werden. Denn die Meisten beklagen eher die schlechten Arbeitsbedingungen. Und wenn schon Geld ein Anreiz ist, dann eher dauerhaft als Gehaltserhöhung.

    • Meine Wertung auf einer Skala von max. 5 Daumen hoch:  2 Daumen

  2. 3.000,- Euro steuerfrei für Teilzeitkräfte, die ihre Arbeitszeit um mindestens 20 Prozent der Vollzeitarbeitszeit aufstocken.
    • Beispiel: Vollzeit = 38 Stunden / 20% davon = 7.6 Stunden. Hat jemand einen Teilzeitvertrag mit einem Stundenumfang von 20 Stunden, muss um 7,6 Stunden auf 27,6 Stunden aufgestockt werden um die Prämie zu bekommen.
    • In der Podcast-Episode Deutschlandfunk Lebenszeit  kam eine Hörerin zu Wort, die Teilzeit im KHS arbeitet und viele Überstunden macht. Sie sagte klar, dass ein höherer Stundenvertrag für sie nicht in Frage komme, weil darauf dann auch wieder Überstunden anfallen würden und einen Vollzeitjob könne sie sich nicht zumuten.
    • In Kombination mit dem 80:20 Modell (siehe Punkt 2) könnte diese Idee für stationäre Einrichtungen funktionieren, wenn durch Überstunden nicht doch wieder ein Vollzeitjob daraus wird.
    • Für den ambulanten Pflegedienst sind Vollzeitkräfte sowieso eher unattraktiv.

    • Meine Wertung auf einer Skala von max. 5 Daumen hoch:  2 Daumen

  3. 3.000 € für jeden Ausbildungsabsolventen bei Ersteinstellung
    • Ich kann mir vorstellen, dass diese Prämie für junge Menschen ein Anreiz sein kann. Wobei auch Azubis den dringenden Wunsch äußern, die Diskrepanz zwischen dem, was sie in der Ausbildung lernen und dem, was sie in der Praxis vorfinden, zu verringern. Dabei denke ich an den offenen Brief an Herrn Spahn, den 20 Azubis im April 2018 bei FB veröffentlicht haben.

      „Uns graut davor, nach dem Examen diesem Druck, Dinge aus Zeitgründen nicht korrekt durchzuführen, ausgesetzt zu sein.“ Der Brief endet mit dem Appel: „Wir fordern Sie auf, sich auch mit der Situation der Auszubildenden auseinanderzusetzen und erwarten eine persönliche Stellungnahme, die uns zum einen motiviert die Ausbildung zu beenden und zum anderen, den Pflegeberuf dann auch auszuüben und uns nicht sofort eine Alternative zu suchen ( wie schon viele vor uns ).“

    • Meine Wertung auf einer Skala von max. 5 Daumen hoch:  3 Daumen

  4. 3.000 € für Einrichtungsbetreiber
    davon 1.500 € „Gewinnungsprämie“ bei Aufstockung/Einstellung 
    und 1.500 € „Bindungsprämie“ nach einem Jahr, sofern die Pflegefachkraft weiter im Betrieb tätig ist.
    • 1.500 € Gewinnungsprämie pro Kopf! Das finde ich ja mal eine spannende Idee, einen Anreiz für Einrichtungsbetreiber zu schaffen.Viele, die immer klagen, dass sie kein Personal finden, haben jetzt die Möglichkeit, einmal ihren Personalgewinnungsprozess unter die Lupe zu nehmen.
      • Wie ist denn die Candidate Journey im Bewerbungsprozess und welche Erfahrungen machen Bewerber (Candidate Experiance)?
      • Wie gestalte ich meine Stellenausschreibungen und wo platziere ich sie?
      • Was kann anders, innovativer und zielgruppengerechter gemacht werden?
      • Hier ein Beispiel: PA28 - Personal gewinnen mit dem richtigen Pflegemarketing
    • Noch einmal 1.500 Euro gibt es für Einrichtungsbetreiber als Bindungsprämie, wenn die Eingestellten (und ich denke, das gilt auch für die Aufstocker?) nach einem Jahr immer noch im Betrieb tätig sind. Ich weiß nicht, ob der Betrag hoch genug ist, damit Pflegeunternehmen sich einmal konkret und konzepthaft damit befassen, warum deren Fluktuationsquote so ist, wie sie ist.

    • Jetzt gibt es zu Punkt 1 noch einen Fließtext, dessen Sinn sich mir nicht so ganz erschließt. Hier der Originaltext: 
      „Transparente Bedingungen und eine Weiterbildungsverpflichtung für die Pflegefachkräfte von mindestens vier Tagen pro Jahr werden dafür sorgen, dass die Prämien tatsächlich zu mehr Pflegekräften am Bett und damit zu einer Entlastung der bereits heute in der Pflege Tätigen führen.“
      Meine Fragezeichen dazu: 
      Was ist mit transparenten Bedingungen gemeint? Und welchen Zusammenhang gibt es zu der Weiterbildungsverpflichtung? Fort- und Weiterbildungspunkte müssen doch auch jetzt schon gesammelt werden. Irgendwie fühlt sich das Thema Weiterbildungsverpfichtung für mich in diesen Punkt so eingeschmuggelt an und den Zusammenhang zur Prämie verstehe ich nicht.

    • Meine Wertung auf einer Skala von max. 5 Daumen hoch:  3 Daumen

Punkt 2: 80 Prozent Arbeit bei 100 Prozent Lohn (80:20-Modell)

Alle Pflegefachkräfte haben die Möglichkeit, bei 80 Prozent Arbeitszeit 100 Prozent Lohn zu erhalten. Ich nehme an, dass die 80% wieder von einem Vollzeitarbeitsverhältnis gerechnet werden. Pflegefachkräfte in Teilzeit können nämlich auf 80 Prozent Arbeitszeit aufstocken und erhalten 100 Prozent Gehalt.

Vollzeitkräfte haben die Möglichkeit das 80:20 Modell zu wählen oder weiter Vollzeit zu arbeiten und dafür einen Gehaltszuschlag zu bekommen.

„Nach ersten Einschätzungen des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung könnten mit dem 80:20-Modell bis zu 40.000 zusätzliche Stellen (Vollzeitäquivalente) im Ergebnis aus Arbeitszeitreduzierung und Teilzeitaufstockung gewonnen werden (https://idw-online.de/de/news695920). Hinzu kommen die Berufsrückkehrer durch die Prämien, die mit dem 80:20-Modell bessere Arbeitsbedingungen vorfinden würden.“ (Text aus dem Positionspapier)

 

Punkt 3: Bonus für gute Arbeitgeber

Der Originaltext:
Pflege braucht faire und moderne Arbeitsbedingungen. Ich (Andreas Westerfellhaus) möchte mehr Wettbewerb der Betreiber um die besten Arbeitsbedingungen und um die größte Wertschätzung für Pflegekräfte. Kostenträger und Einrichtungen in der Altenpflege sollen deshalb die Möglichkeit erhalten, in den Vergütungsverhandlungen Zuschläge für die Einführung innovativer Konzepte für attraktive Arbeitsbedingungen zu vereinbaren.

Mit einem solchen Bonus können Maßnahmen eines Arbeitgebers für mehr Dienstplanstabilität und weniger Rückrufen aus dem Frei, mitarbeiterorientierte Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsförderung der Beschäftigten, jährliche Fortbildungen der Führungskräfte mit Personalverantwortung, Weiterqualifikation von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften oder Entbürokratisierung der Pflegedokumentation gefördert und belohnt werden.“

Punkt 4: Mehr Freude am Pflegeberuf – mehr Verantwortung durch Heilkundeübertragung

Der Originaltext:
„Pflegefachkräfte sind, wie der Name sagt, Pflegeprofis. Sie sind keine Handlanger und können weit mehr als An- und Verordnungen ausführen. Deshalb ist es an der Zeit, ihnen gezielt heilkundliche Aufgaben zu übertragen. Natürlich unter Maßgabe konkreter Qualifikationsanforderungen.“ Jetzt kommt eine Aufzählung, die hoffentlich nicht abschließend gemeint ist:
„In Betracht kommen beispielsweise Aufgaben im Bereich der Versorgung chronischer Wunden, spezifischer Infusionstherapien und der Versorgung von Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2. Die mit diesen Aufgaben verbundene höhere Verantwortung wird dem modernen Pflegeberuf gerecht und stärkt seine Attraktivität und Autonomie.“

Punkt 5: Ausbilden! Ausbilden! Ausbilden!

Der Originaltext:
„Ohne eine Stärkung der Ausbildung in der Pflege wird sich der Fachkräftemangel nicht eindämmen lassen.“ Volle Zustimmung von mir! „Neben der Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes kommt es auch darauf an, für die Arbeitgeber Anreize zur Ausbildung zu setzen.“

„Einrichtungsbetreiber sollten Ausbildungskonzepte „von der Assistenz bis zum Master“ entwickeln. Um dies zu fördern und mehr Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen, soll der Kostenanteil der Pflegeeinrichtungen an der neuen Pflegeausbildung gesenkt werden.„

 

Kosten des 5 Punkte Plans

ZEIT ONLINE schrieb 17. Mai 2018, dass "die Kosten in dem Positionspapier für das erste Jahr auf rund 570 Millionen Euro, im zweiten Jahr auf rund 345 Millionen Euro beziffert werden" Davon ist zwar im 5 Punkte Plan nichts zu lesen, doch ich gehe mal davon aus, dass die Spiegelredaktion auch noch andere Quellen hat. 

Originaltext:
"Die Kosten für „Mehr PflegeKRAFT“ sollten nicht einseitig durch die Pflegebedürftigen getragen, sondern auf möglichst breite Schultern verteilt werden."

Was mit breiten Schultern gemeint ist, wurde am 13. Juni bekannt gemacht. Die Beiträge zur Pflegeversicherung werden zum 01.01.2019 um 0,3 Prozentpunkte steigen.

 

 

Action Step 

Schreib doch mal in Facebook oder hier auf der Webseite, ob Du findest, dass diese 5 Vorschläge für eine gute und verlässliche Pflege sorgen werden. Schreib mir auch, was Du anders siehst als ich oder ergänze meine Gedanken einfach. 

 

Ich freue mich, wenn wir uns darüber austauschen.

Liebe Grüße von

Claudia, Claudia Henrichs