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Petra Schlitt im Interview: „Angehörige stehen immer im Schatten!“

Petra Schlitt ist Angehörigencoach und Demenzberaterin und hilft erwachsenen Töchtern und Söhnen, sich gut um ihre pflegebdürftigen Eltern und um sich selbst zu kümmern.Auch als internationale Projektmanagerin im Marketingbereich war die Kommunikation und das Arbeiten mit Menschen ein Fixstern in Petra Schlitts Karriere. Ihre eigenen Erfahrungen als Angehörige führten dazu, sich auf das Coaching für erwachsene Söhne und Töchter von pflegebedürftigen Angehörigen zu spezialisieren.

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Bonus-Infos zu dieser Episode

Hier findest Du die wichtigsten Impulse aus unserem Gespräch

Zwei Lebensereignisse, die Auslöser für Petra Schlitts berufliche Spezialisierung waren

  • Petra Schlitts Ehemann ist seit einem Verkehrsunfall auf einen Rollstuhl angewiesen.
  • Ihren Vater hat sie bis zum Tod begleitet. In dieser Zeit war sie gleichzeitig Ansprechpartnerin für Ärzte und das Pflegepersonal als auch Vermittlerin und Übersetzerin für ihre Mutter, Geschwister und Verwandten.

In beiden Lebenssituationen hat Petra erlebt, wie wirkungsvoll gute Kommunikation ist, wenn es darum geht

  • die Ressourcen wahrzunehmen und konkret zu schauen, welche Optionen es gibt, was in der aktuellen Situation getan werden kann und wie die nächsten Schritte aussehen. (Statt zu lamentieren und darauf zu schauen, was nicht mehr geht)
  • und auch wie gut es tut, als Angehörige gefragt zu werden, wie es ihr geht und wie sie mit der Situation zurecht kommt.

 


Angehörige stehen immer im Schatten!
 

Spannungsfeld: Pflegedienst, Angehörige, Pflegebedürftige

Die gegenseitigen Erwartungen sind unterschiedlich

  • Angehörige erwarten dass Mutter oder Vater mit der gleichen Inbrunst gepflegt werden, wie sie es tun würden, wenn sie Zeit hätten.
  • Pflegebedürftige wünschen, dass sich die Pflegekräfte mehr Zeit nehmen.
  • Pflegedienst erwartet, dass mehr Verständnis für die Qualität ihrer Arbeit aufgebracht wird – auch wenn es manchmal nur Minuten sind – und mehr Leistungen in Anspruch genommen werden.

Es gibt ein Informations-Defizit

  • Weder Pflegekräfte noch Angehörige und Pflegebedürftige kennen die Leistungen, die zur Verfügung stehen.
  • Oft wird im Gespräch nicht deutlich, was das Ergebnis der Leistung ist. Was die Leistung für den bedeutet, der gepflegt wird.

Gegenseitiges Vertrauen und Verständnis füreinander muss wachsen

  • Je geringer der persönliche Kontakt ist, desto weniger kann Vertrauen und Verständnis entstehen

Themen der Angehörigen

  • Schlechtes Gewissen, dass sie selbst nicht alles machen.
  • Das Gefühl, dass es nie genug ist.
  • Überfordert durch die Dreifachbelastung: Pflege, eigene Familie, Beruf.
  • Konflikt zwischen Kindern und Eltern: Endlich Anerkennung bekommen, dafür dass ich mich bei der Pflege richtig anstrenge.
  • Die letzte Lebensphase der Eltern nicht akzeptieren wollen.
  • Kinder, die weit weg von ihren Eltern wohnen, fragen sich:
    • Wie finde ich einen guten Pflegedienst?
    • Wie kann ich sicherstellen, dass das auch passt?
    • Wem vertraue ich, wenn Mutter etwas anderes behauptet als der Pflegedienst?

Was tun, wenn das Vertrauen zum Pflegedienst fehlt?

  • Herausfinden, was genau das Problem ist. Woher kommt das Misstrauen?
  • Ist nicht genau bekannt, was die Aufgaben des Pflegedienstes sind?
  • Bekommen die Angehörigen regelmäßig telefonisch Informationen über die aktuelle Situation und die Entwicklung der pflegebedürftigen Person?
  • Gibt es eine Geschwisterthematik?
    • Alle wollen das Beste aber jeder will etwas anderes!
    • Ist der Bruder per se der Held?

Transparente, empathische Kommunikation ist die Lösung

  • Mit den Angehörigen vereinbaren, dass es einen Haupt-Ansprechpartner gibt.
  • Die Erlaubnis des Pflegebedürftigen einholen, dass es Gespräche mit dem Sohn / der Tochter geben wird.
  • Geplante und regelmäßige längere Gespräche mit dem Angehörigen über die Entwicklung und die möglichen Optionen.
  • Wöchentliche kurze Telefonate mit dem Angehörigen über die aktuelle Situation.
  • Pflegebedürftige Person über Veränderungen im Pflegeablauf (zum Beispiel: Wechsel der Pflegekraft oder der Zeiten) informieren. (entweder durch die Pflegekraft am Vortag oder per Telefon von der Verwaltungskraft).
  • Im Gespräch mit der pflegebedürftigen Person sein Autonomiebestreben und den Wunsch nach Selbstständigkeit wahrnehmen und würdigen.
  • Einschätzungsgespräche anbieten: Auf welche Anzeichen muss ein Angehöriger achten, um besser entscheiden zu können, wann mehr Bedarf an Pflege, Unterstützung und Begleitung notwendig ist.

Für Kommunikation fehlt oft die Zeit

  • Wenn man sich darüber bewusst ist, dass proaktive Gespräche (auch Telefonate) mit den Angehörigen langfristig Entspannung und Zeitersparnis bedeuten, dann findet man die Zeit.
  • Die Telefonate werden nicht vergütet. Meist geht es nicht um die Telefonzeit sondern um die Konfliktvermeidung.

Tipps für Konfliktsituationen mit Angehörigen

  1. Den Angehörigen die Anerkennung dafür geben, was sie alles leisten, wie toll sie sich kümmern und deren Spagat verstehen. Frage: „Und wie geht es Ihnen denn eigentlich?
  2. Wenn Angehörige wütend sind und unter Druck stehen, sagen: „Sie haben es aber auch nicht leicht!“ Dieser Satz nimmt manchmal so viel Stress raus.
  3. Mit Ratschlägen, Infos und Tipps zu Beginn des Gesprächs zurückhalten.
  4. Eine gelassene Haltung einnehmen: Ich bin in meiner Funktion gemeint und nicht als Person.
  5. Wenn die Emotionen kochen oder die verbalen Angriffe zu weit gehen: „Das geht zu weit. Ich breche das Gespräch ab. Wir reden ein anderes Mal darüber!“
  6. Die große Bedürftigkeit wahrnehmen. Sich darüber bewusst sein, dass man eine Arbeit macht, von der der Angehörige meint, dass er diese eigentlich machen müsste.
  7. Eine starke Wertschätzung für die eigene Arbeit entwickeln: Das was ich tue ist sehr sehr viel wert. Wir ermöglichen einem Menschen das Leben in seinen eigenen vier Wänden. Je größer das Selbstwertgefühl ist, desto gelassener kann mit Konfliktsituationen umgegangen werden.

 

Petras Empfehlung für Angehörige:


Volle Präsenz und Achtsamkeit im Moment im direkten Kontakt mit dem Pflegebedürftigen. Gleichzeitig schon im Hinterkopf die nächsten Schritte planen, die da kommen könnten: Tagespflegeplatz, Treppenlift, Badumbau, Pflegedienst oder Erweiterung der Leistungen durch den Pflegedienst.
 

 

 

 

Petraich

Noch mehr zu Petra Schlitt

 

Die Welt ist klein! Das erlebe ich immer wieder. Petra hat Roland Kopp Wichmann interviewt und ich habe ihn vor ein paar Jahren live erlebt. Er ist übrigens derjenige, der das Fundament zu meinen Onlineaktivitäten gelegt hat. Würde es ihn nicht geben, oder hätte ich mich damals für einen anderen Vortrag entschieden … dann hättest Du hier nichts zu lesen.

Ganz besonders lege ich Dir den Podcast von Roland Kopp Wichmann ans Herz: „Das Abenteuer Persönlichkeit“.

Ich wünsche Dir ganz viele bereichernde Impulse und sende herzliche Grüße an Dich!

Deine Claudia, Claudia Henrichs

 


Mit welchen Angehörigen gibt es zur Zeit oder immer mal wieder einen Konflikt? Überlege einmal, welche Bedürfnisse bei diesen eine Rolle spielen könnten. (Nein, es ist NICHT immer Geld sparen!) Such aktiv das Gespräch und nimm Dir vor, diese beiden Sätze auf jeden Fall auszusprechen: „Wie geht es Ihnen denn eigentlich?“ und „Sie haben es aber auch nicht leicht!“ 
 

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