Ist Fortbildung nutzlos? Interview mit Dr. Franz Hütter (3)

Gemeinsam Bier trinken ist der Benefit von Vortrags-Veranstaltungen

 

Claudia:

Super spannend. Noch eine Frage in dem Zusammenhang mit Transfer. Es gibt ja unfassbar viele Kongresse, wo man zwar wählen kann, welches Thema man in welchem Zeitslot besucht. Fakt ist aber, dass man in Reihen auf Stühlen mit Stuhlhussen sitzt und hört sich einen Powerpoint-Vortrag nach dem anderen anhört.

Ich stehe total auf dem Kriegsfuß mit solchen Veranstaltungen bis auf die Tatsache, dass, wenn man abends nett zusammen Bier trinken kann. Das liebe ich!

 

Franz:

Das kann man günstiger haben!

 

Claudia

Meine Meinung ist: Das bringt wenig Transfer-Erfolg!

Ich finde, auch bei allen fachlich orientierten Vorträgen ist der Transfer gering.  Es ist ja auch wichtig für meine Branche, der Pflege, immer wieder neueste Informationen zu Dingen, die sich rechtlich verändert haben oder die sich, was Qualitäts-Standards angeht, verändert haben, zu bekommen.

 

Ich stelle trotzdem die These auf: 

Würde ich mir mehr Zeit gönnen als einen 45 Minuten Vortrags-Slot und die Änderungen in Form von Gruppenarbeiten erarbeiten lassen, hätte das mehr Effekt!

 

 

Power-Point-Vorträge sind ungeeignet

Franz:

Na ja, ich glaube, da ist einiges dran. Ich glaube, es ist eine sehr veraltete Art der Wissensvermittlung. Einfach Informationen zu senden und dann darauf zu warten, dass es die Leute verarbeiten. Ich denke mal, das stammt noch aus der Zeit der klassischen Vorlesung, als es viel zu teuer war, Bücher in hinlänglicher Anzahl zu drucken und das alle Studenten sich eines hätten kaufen können.

Claudia: Ach, daher kommt der Begriff Vorlesung?

 

Franz:

Ja, genau, der Professor saß da und hat den Studenten aus dem wertvollen Buch oder Manuskript, von dem vielleicht die Bibliothek eins hatte, vorgelesen. Weil sich nicht jeder ein Buch leisten konnte. Insofern absolut plausible Geschichte. Heute wissen wir natürlich gerade beim Thema Powerpoint, gerade wenn die Powerpoints sehr dicht bedruckt sind, dann werden für das Lesen der Powerpoint und für das Verstehen der gesprochenen Sprache ähnliche Hirnareale rekrutiert. Da kommt eine Interferenz zustande zwischen dem Hörverstehen von Sprache und dem Leseverstehen von Sprache. Zumal ich im Gehirn das Gelesene in Gesprochenes übersetze.

Natürlich beißt sich beides. Ich belege, dieselben Ressourcen zweimal. Darum haben wir ein sehr stark reduziertes Verständnis. Das heißt, Powerpoint-Vorträge eignen sich nicht wirklich, um Infos in dem Maße weiterzugeben. Eher um anzuregen und Highlights zu setzen.

 

Informationen mit Videos vermitteln

Aber du hast recht, die Tendenz geht sehr stark dahin, Vorträge aufzulösen in etwas, was wir hier ein Stück weit machen, nämlich in Dialoge. Dann habe ich eine ganz andere Interpunktion in dem, was ich wahrnehme. Mal die eine Stimme, dann die andere Stimme.

Dann Vorträge aufzulösen, auch in einen reinen Informationsteil, den ich besser per Video aufnehme. Wenn ich präsent in Präsenz spreche und Infos sende, und du hast den vorletzten Satz nicht verstanden, dann kannst Du mich nicht zurückspulen. Das geht bei einem Video. Ein Flipped-Classroom-Ansatz sozusagen. Die Info Vermittlung findet vorher statt!

Wo ziehe ich mir heute meine Fakten her?

 

Claudia und Franz: Aus YouTube!!!

 

Franz:

Ja, klar! Wenn ich wissen will, wie das Mikro funktioniert: Ich gehe auf YouTube. Wenn ich wissen will, wie das blöde neue Programm funktioniert: Ich gehe auf YouTube. Super Geschichte für alles, wo es wirklich nur um Info geht. Und dann hat man die Leute sozusagen in der synchronen Veranstaltung, in der Präsenz, schon aufgeschlaut. Auf einem ganz anderen Niveau. Und dann geht man in den Transfer: Guck mal, wie ist es bei Dir? Wie würden man das anwenden?

 

Plattformen für den digitalen Austausch

Super Geschichte. Und was man dann noch als Drittes machen kann, ist ein Padlet einrichten oder ein Google Docs wo die Leute dann weiterarbeiten können, wo man Fälle sammelt, wo man mich erinnert an die positiven Testimonials von den Kunden. Wo man ein gemeinsames Google Doc aufmacht und man sammelt die schönen Erlebnisse. Die Claudia liest von der Greta, was sie heute Schönes erlebt hat, und fühlt sich inspiriert etwas dazuzuschreiben.

 

Solche Geschichten sind alles Möglichkeiten, die uns das digitale Lernen gebracht hat. Ein ganz anderes Follow-Up einzubringen.

"Wir brauchen für Neuroplastizität eine gewisse Alltags Penetranz damit es wirken kann!"

Sonst ist alles weggewischt. Da war ich in einem dollen Hotel irgendwo, JWD. Das ist nicht die reale Welt. Ich brauche es im Alltag! Das ist etwas, was neben den Online-Supervisionen auch sehr hilft für die Arbeit dazwischen. Nämlich gemeinsam über Conceptboard, Googlejam, Googledocs oder sonst irgendetwas, gemeinsam am Ball zu bleiben und da weiterzuarbeiten.

   

Zusammenfassung

  • Schon in der Einladung zu einer Fortbildung deutlich machen, welche Ziele mit der Teilnahme verbunden sind. Nutze dafür das 4-W-Schema!
  • Die Re-Investition gelingt
    • durch konkrete Vorhaben. Innerhalb von 3 Tagen nach der Veranstaltung muss begonnen werden, diese in die Tat umzusetzen.
    • Ermögliche den Austausch mit der Gemeinschaft. Das geht schnell und preiswert mit Online-Tools
    • Nimm Audiobotschaften oder kleine Videos auf, wenn es um Wissensvermittlung geht. In Besprechungen oder Webinaren kann auf der Basis des Inputs die Übertragung auf den Alltag bearbeitet werden.

 

 

Schau Dir an, wie es im inneren des Webinar-Kurses: "Überzeugende Kundengespräche führen" aussieht und gib mir eine Rückmeldung dazu, wie spannend Du die Inhalte findest!

 

Bis zum nächsten Mal.

Deine Claudia 

 

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